Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Gelsenkirchen e. V.

Bike und Bett auf zwei Rädern: Mit dem Campinganhänger durchs Westmünsterland

Eine Radreise mal anders: Unser Mitglied Wolf-Dieter Kuhlmann hat sich auf ein besonderes Abenteuer eingelassen – mit einem Campinganhänger fürs E-Bike, der sogenannten Berkel-Box

Bike und Bett auf zwei Rädern: Mit dem Campinganhänger durchs Westmünsterland

Eine Radreise mal anders: Unser Mitglied Wolf-Dieter Kuhlmann hat sich auf ein besonderes Abenteuer eingelassen – mit einem Campinganhänger fürs E-Bike, der sogenannten Berkel-Box. In einem dreitägigen Selbstversuch testete er das ungewöhnliche Gespann auf einer rund 160 Kilometer langen Strecke durchs westliche Münsterland und ein Stück weit durch die östlichen Niederlande. Was funktioniert, was nervt – und warum Penatencreme am Ende eine zentrale Rolle spielt: Hier ist sein persönlicher Reisebericht.

Die Berkel-Box

Über einen Bericht im Magazin „Münster! Die starken Seiten der Stadt“ wurde ich auf die „Berkel-Box“ aufmerksam. Man kann den Anhänger samt E-Bike in Gescher beim dortigen Tourismusbüro mieten, siehe: https://www.gescher-erleben.de/freizeit/berkelbedbox-1

Der Anhänger ist 2 m lang und 90 cm breit. Der hintere Teil wird während der Fahrt über das Vorderteil geschoben, damit wird die Länge halbiert. Die Berkel-Box hat große Fenster, eine abschließbare Tür, einen Tisch (sogar nebst Tischdecke!), den man sowohl außen als auch Innen anhängen kann, und ist bestens ausgestattet mit Klappstühlen, Bettzeug, Verlängerungskabel und Adaptern für die Steckdosen auf Campingplätzen. Ohne weiteres eigenes Gepäck als Zuladung wiegt das Teil rund 35 kg, ist also durchaus nicht ganz einfach zu bewegen. Das mitvermietete E-Bike hat aber einen starken Motor, der hilft. Man sollte darauf achten, rechtzeitig Strom zu tanken. Das war z.B. auf Bauernhöfen, einmal auch an einer Ladestation in Neede/Holland aber kein Problem. Leider kann das eigene Rad nicht eingesetzt werden. Es sei zu kompliziert, die Anhängerkupplung umzubauen. Das erweist sich auf der Tour auch noch als Problem.

Im Netz angebotene Tracks zur „Berkeltour“ sind wegen des Anhängers mit Vorsicht zu genießen, teilweise kann man Barrieren nicht durchfahren, einmal stand ich an einem geschlossenen Hoftor und musste umkehren. Die empfohlenen Wege abseits der Straßen sind gelegentlich auch sehr schmal und mit dem Gespann schwer befahrbar. Bedeutet: Die Streckenplanung sollte allein wegen der benötigten Fahrzeit mit besonderer Sorgfalt erfolgen.

1. Tour-Tag: Ein Weizen, ein Wunderkasten und viele neugierige Blicke

Ich komme später als geplant in Gescher los, weil die Batterie noch nicht ganz aufgeladen ist. Es geht dann parallel zur Berkel über Stadtlohn, Vreden und Eibergen nach Holland auf den Campingplatz Haarlo ( oetdoor.nl ) kurz vor Burcolo (Gesamtstrecke ca. 55 km). Dort bekomme ich einen riesigen Platz mit Stromanschluss, Dusche usw. (32,50 €!). Natürlich erregt das Gespann Aufmerksamkeit und will vorgezeigt und besichtigt werden. Leider gibt es auf dem Platz abends keine Gastronomie, dafür aber noch (bis 18 Uhr) u.a. kaltes Weizenbier an der Anmeldung.

Hier ist der Track mit Fotos: https://www.komoot.com/de-de/tour/241593942 9

2. Tour-Tag: Von Gewittern gejagt und bestaunt wie ein Ufo

Der ruhige Schlaf in der Berkel-Box wird schon frühmorgens durch ersten Regen unterbrochen, der auf das Dach des Anhängers prasselt (der ist aber absolut wasserdicht!). Tagsüber zieht wie angekündigt eine Regen- und Gewitterfront nach der anderen durch, so dass ich trotz meiner Regenkleidung mehrfach Schutz suchen muss.

Gleich zu Beginn der Tour erstehe ich in einem Radladen in Burcolo einen neuen Helm, meinen hatte ich bei der Abfahrt in der ganzen Hektik leider im Auto liegengelassen und am ersten Tag kein passendes Geschäft gefunden. Auch die Mitarbeiter des Geschäfts bestaunen mein Gespann. Es geht dann weiter über Neede, Haaksbergen und jenseits großer Straßen vorbei an Alstätte und Ahaus bis kurz vor Heek, wo ich dann das Gespann am Waldrand abstelle und eine erholsame Nacht verbringe (Gesamtstrecke ca. 67 km ).

Hier ist der Track mit Fotos: https://www.komoot.com/de-de/tour/2415967670

3. Tour-Tag: Penaten statt Polster – mit schmalem Sattel zurück in die Glockenstadt

Ich wache früh auf, so dass ich schon vor 7 Uhr loskomme. Nach den starken Regenfällen des Vortages wabert überall noch Dunst, eine traumhafte Atmosphäre! Die geplante Strecke von rund 70 km kürze ich aber aus gegebenem Anlass stark ab: Das Gesäß leidet trotz intensiver Pflege mit Penaten doch erheblich. Das ist ja ein bekanntes Problem, wenn man mit einem anderen als dem eingefahrenen eigenen Sattel unterwegs ist! Leider hatte ich das bewährte Wundermittel Ilon Protec vergessen.

Die Strecke führt über Heek, Schöppingen und Holtwick zurück in die Glockenstadt Gescher, wo ich das Gespann gegen Mittag wieder abliefere (Gesamtstrecke ca. 41 km).

Hier ist der Track mit Fotos: https://www.komoot.com/de-de/tour/2415983454

Fazit: Abenteuer, Aufwand, Ausprobieren – lohnt sich die Berkel-Box?

Drei Tage, 160 Kilometer, Regen, Gegen- und Rückenwind, dazu viele neugierige Blicke – die Tour mit der Berkel-Box war eigentlich nur als ein Testlauf gedacht. Sie wurde zu einem echten Mikroabenteuer auf zwei Rädern. Wer Lust hat auf langsames Reisen, ungewöhnliche Übernachtungen und ein bisschen Aufsehen und Abenteuer unterwegs, sollte sich das Gespann ruhig mal gönnen (3 Tage für 150 €). Nur das Sitzfleisch muss mitspielen.


https://gelsenkirchen.adfc.de/neuigkeit/bike-und-bett-auf-zwei-raedern-mit-dem-campinganhaenger-durchs-westmuensterland-1

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